Die Irrfahrten der Eleanor – Eine Anker-Odyssee
29. Juli 2025
Wir verlassen Lakka – und damit beginnt unsere ganz persönliche Anker-Odyssee.
Wir segeln zurück aufs Festland, unser Ziel ist Sivota. Eigentlich ein schöner Schlag, wenn auch mit etwas zu viel Welle. Die 11 Seemeilen bis zu unserer ausgewählten Bucht legen wir in knapp 2,5 Stunden zurück. Und dann beginnt das Drama.
Etwa eineinhalb Stunden lang versuchen wir, den Anker in den schlammigen Grund zu bekommen. Versuch Nummer sechs oder sieben – wir wissen es nicht mehr genau – glückt dann tatsächlich. Ich tauche ab, um den Anker zu kontrollieren: Er ist komplett eingegraben, nur eine kleine gelbe Spitze ragt noch heraus. Puh. Das war ein ganz schöner Akt. Es ist mittlerweile 18:30 Uhr, und wir sind froh, endlich angekommen zu sein.
Ich koche Spaghetti Carbonara, und gerade als wir im Cockpit sitzen und es uns schmecken lassen, fegen zwei, drei kräftige Böen durch die Bucht. Unser Bug driftet langsam nach Steuerbord, und die Landleinen hängen lose im Wasser. Wir gehen nicht davon aus, dass der Anker beim achten Versuch besser halten wird – zumal er ja tief eingegraben war.
Also: Zum Sonnenuntergang weiter. In die nächste Bucht – vielleicht haben wir dort mehr Glück mit dem Untergrund. Leider nein. Und auch in der übernächsten Bucht hält der Anker nicht. Es ist mittlerweile dunkel, und die Stimmung an Bord ist – sagen wir mal – angespannt.
Wir beschließen, in die vor Sivota gelegene Monastery Bay zu fahren. Diese ist zwar gegen den vorherrschenden Nordwestwind nicht wirklich geschützt, aber für diese Nacht muss es einfach reichen. In Momenten wie diesen wünscht man sich manchmal einfach ein Beduinenzelt – in der Wüste, weit weg vom Wasser.
Es ist inzwischen kurz vor zehn und stockdunkel. Im Schein meiner Stirnlampe kann ich ein paar Boote und zahlreiche Bojen erkennen, die offenbar den Schwimmbereich abgrenzen. Wir lassen den Anker fallen, geben 30 Meter Kette – und er hält auf Anhieb! Gott sei Dank. Alles andere hätten unsere strapazierten Nerven heute auch nicht mehr mitgemacht.
Nachdem wir einigermaßen klar Schiff gemacht haben, sitzen wir im Cockpit und fragen uns, was da heute eigentlich passiert ist. Denn nach zwei Jahren in Griechenland – in denen wir 85 % der Zeit vor Anker lagen – hatten wir uns eigentlich eine gewisse Kompetenz in Sachen Ankern zugesprochen.
Mit leicht angekratztem Segler-Ego fallen wir schließlich in die Koje – erschöpft, aber froh, dass der Anker endlich hält.
Zwei Tage später ist Nordwestwind mit bis zu 25 Knoten vorhergesagt. Das heißt: In unserer Bucht wird’s noch ungemütlicher. Deshalb wollen wir uns ein Stück weiter südlich – hinter eine vorgelagerte Insel – verlegen.
Um es kurz zu machen: fünf Ankerversuche und etwa zehn Kilo geerntetes Seegras später liegen wir wieder genau dort, wo wir morgens gestartet sind – in der Monastery Bay vor Sivota.
Eleanor schaukelt im meterhohen Schwell, der in die Bucht läuft, und Tobi klammert sich unter Deck während seiner Telefontermine am Kartentisch fest. Willkommen auf der anderen Seite der Medaille.
Nach diesem sehr anstrengenden Nachmittag legt sich der Wind und bald darauf lässt auch der Schwell nach. So genießen wir noch ein paar schöne Tage in diesem touristischen, aber dennoch netten Städtchen – spektakuläre griechische Sonnenuntergänge inklusive.
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Hallo ihr zwei,
da habt ihr ja richtig was tuen gehabt. Ich war ja auch schon einige male in diesem Revier unterwegs, aber mit viel Wind bis starken Wind hatte ich dort noch nie zu tuen.
Aber, wie man lesen kann, ihr habt das ja gut hinbekommen! Wieder ein toller Bericht!
Vielleicht sieht man sich ja im September dort irgendwo im Revier.
Liebe Grüße
Herbert
Was für ein Abenteuer!
Und dennoch habt ihr auch zusammen diese schwierige Situation gemeistert! Es ist so schön zu lesen, wie ihr zwei selbst unter dem größten Stress danach versucht, sachlich zu reflektieren! Chapeau hierzu!
Und danke, dass Sie uns auch an dieser Seite des Seglerlebens teilhaben lässt…