Eine Party, ein Nähprojekt und ein Notfall

5. März 2026

Vier Wochen sind wir nun hier und es hat sich mittlerweile so etwas wie Alltag eingestellt. Unter der Woche Büroarbeit, am Wochenende Bootsprojekte, dienstags Wochenmarkt, sonntags Pizza. Dazwischen mal eine Runde laufen, Eis essen, die Sonne genießen. So langweilig kann Aussteigen sein… 🙂

Aperitivo a pranzo

Da kommt die, von unserer Bootsnachbarin Sabine initiierte, Steg-Party gerade richtig, um ein wenig Schwung in unseren Trott zu bringen. Am Samstag treffen sich also alle von Steg D zu einem Aperitivo a pranzo, also zu einem kleinen Day-Drinking-Event. Es wird geteilt – jeder bringt ein bisschen Fingerfood und Getränke mit. Unser Buffet bauen wir in Ermangelung von Tischen einfach auf ein paar geliehenen Sonnenliegen auf.

Italiener, Schweden, Letten, Finnen, Malteser, Österreicher, Deutsche… Es ist ein bunt gemischter Haufen, mit dem Segeln als kleinstem gemeinsamen Nenner. Alles ist herrlich unkompliziert und so wird es ein äußerst vergnüglicher Nachmittag, bei dem wir endlich unsere ganzen Nachbarn einmal richtig kennenlernen.

Upcycle to Recycle

Neben unseren vielen Bootsprojekten widme ich mich auch mal wieder einem Nähprojekt. Hier im Hafen wird der Müll, ähnlich wie bei uns in Deutschland, getrennt. Da wir an Bord nur bedingt Platz haben, benötigen wir ein platzsparendes Recycling-System. Für uns hieß das bisher: eine Plastikeinkaufstasche, in die alle Wertstoffe hineinwandern.

Vor kurzem habe ich in unserer Backskiste ein paar Reste fester LKW-Plane gefunden und so bekommt die vergammelte Plastikeinkaufstasche ein kleines Upgrade. Zum Glück habe ich eine Heavy-Duty-Nähmaschine, denn die Plane ist ganz schön widerspenstig. Das Ergebnis kann sich aber trotzdem sehen lassen.

What shall we do with the drunken sailor?!

Nach einem recht entspannten und produktiven Wochenende kam der erste Aufreger der neuen Woche gleich am Montagabend.

Ich komme gerade von einem kleinen Abendspaziergang über den Hauptsteg der Marina zurück. Es sind noch einige unterwegs, unter anderem ein etwa 50-jähriger Hüne mit einem Fahrrad, der sich gerade lautstark und mit viel Gelächter mit ein paar anderen Seglern unterhält.

Als ich gerade auf unseren D-Steg abbiegen will, höre ich ein Fahrrad über den Hauptsteg rattern – und anschließend einen ordentlichen Rums. Ich drehe mich um und eile gemeinsam mit Bruce, unserem Stegnachbarn, zurück zum Hauptsteg. Vor uns liegt ein winziges Klapprad und darunter ein knapp zwei Meter großer Mann.

Er bewegt sich nicht.

Wir prüfen, ob er atmet und plötzlich fängt er laut an zu röcheln. Wir legen ihn auf die Seite (ein paar Dinge sind dann von meiner Zeit als Krankenschwester doch noch hängengeblieben) und versuchen, ihn anzusprechen. Er reagiert nicht, fängt aber – schön auf die Seite gelagert – an zu schnarchen.

Okay?!

Ich tippe jetzt mal auf zu viel Aperitivo. Vermutlich schon a pranzo.

Wir beschließen dennoch, den Rettungsdienst zu rufen, denn sicher sind wir uns nicht. Ich wähle 112 und komme bei der Leitstelle raus. Dort werde ich erst einmal an einen englischsprachigen Kollegen weiterverbunden. Ich erkläre die Sachlage und merke schnell, dass das sprachlich jetzt echt eine Herausforderung wird.

Zum Glück ist in der immer größer werdenden Gruppe an Menschen ein Italiener dabei, der die Kommunikation mit der Leitstelle übernimmt. Nach etwa 15 Minuten erreicht der Rettungsdienst den Ort des Geschehens.

Mittlerweile ist der radelnde Aperitivo-Fan wieder zu sich gekommen, weigert sich aber strikt, zum Check-up mit ins Krankenhaus zu fahren. Also bugsieren ihn ein paar starke Helfer über eine schmale Gangway auf sein Boot und übergeben ihn der Obhut seiner Frau.

Und am nächsten Morgen ist er, zum Glück, schon wieder mit seinem Radl unterwegs…

1 Kommentar
  1. Herbert
    Herbert sagte:

    Das hört sich alles gut an, wenn auch der 2. Teil mit dem gefallenen Radfahrer bestimmt erst mal nicht lustig war. Aber ihr habt das ja gut gemeistert. Durch Zufall habe ich gestern an einem Online-Micro-Seminar von Trans Ocean mit dem Thema „Medizin auf Langfahrt“ teilgenommen (als Gast), da waren solche Sachen auch dabei. Die meisten Unfälle passieren wohl im Hafen, ob beim Anlegen, Ablegen oder halt im Hafenleben…….
    Viele Grüße und weiter viele Erlebnisse und vor allem VIEL SPASS!!!!!
    Herbert aus dem WW

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