Technical Tuesday – Die Pest

22. April 2026

Die Überschrift müsste eigentlich „Dieselpest“ heißen. Ja, das gibt es wirklich.

Dabei kommt es durch Mikroorganismen im Kraftstoff zur Bildung von Bioschlamm, der Leitungen und Filter zusetzen kann. Klingt unschön – ist es auch.

Bei Autofahrern ist das Problem eher selten, da durch den meist hohen Durchsatz im Tank wenig Zeit für solche Prozesse bleibt. Feuerwehrleute, Landwirte oder Wohnmobilfahrer kennen das Thema hingegen eher. Überall dort, wo Fahrzeuge lange stehen oder Tanks nicht regelmäßig bewegt werden, kann es kritisch werden.

Vor allem bei halb vollen Tanks und wechselnden Temperaturen entsteht Kondenswasser – und genau das ist zusammen mit dem Bioanteil im Diesel der ideale Nährboden für Mikroorganismen.

Der Kraftstoff selbst

Der Bioanteil und die Feuchtigkeit sind die beiden Übeltäter. Deshalb versucht man als Segler möglichst biodieselfreien Diesel zu bekommen – was in der Praxis allerdings gar nicht so einfach ist.

In Griechenland gab es z. B. „EKO Avio Double Filtered“ oder „Elin Diesel Crystal“. Auch Premiumdiesel wie V-Power werden oft als „besser“ wahrgenommen, sind aber nicht zwangsläufig frei von Bioanteilen.

Deutlich interessanter wären synthetische Kraftstoffe wie HVO oder GTL.

HVO (Hydrotreated Vegetable Oil) wird aus pflanzlichen Ölen oder Abfällen hergestellt, enthält keinen klassischen Biodieselanteil und ist deutlich stabiler.
GTL (Gas-to-Liquid) wird aus Erdgas produziert und ist ebenfalls sehr sauber und weniger anfällig für mikrobielles Wachstum.

Beide sind also deutlich unkritischer, was Dieselpest angeht – allerdings leider noch nicht überall verfügbar, gerade im maritimen Bereich.

Wenn es ernst wird

Dass das kein theoretisches Problem ist, zeigen regelmäßige Berichte aus der Segler-Community: verstopfte Filter, Leistungsverlust, Motoraussetzer.

Und natürlich passiert das nicht bei Flaute im Hafen, sondern dann, wenn man den Motor wirklich braucht. Bei Wellen und einer Ansteuerung.

Unser Liegeplatznachbar in Marina di Ragusa konnte seinen Motor nur noch bis etwa 1500 U/min betreiben – mehr Diesel kam einfach nicht mehr durch den Filter. Bei Seegang wird der Schlamm im Tank aufgewirbelt, angesaugt und setzt dann alles zu.

Unsere Maßnahmen – Wie wollen wir dem Problem begegnen?

Zuerst haben wir unseren Dieseltank komplett geleert. Das ging ganz gut über den Winter – unsere Dieselheizung hat dabei tatkräftig unterstützt.

Anschließend haben wir den Tank mit Kanistern neu befüllt, da wir der Qualität der lokalen Marinetankstelle nicht ganz vertraut haben, sind wir zur normalen Tankstelle gegangen. Nach insgesamt 4 Runden, war der Tank wieder gefüllt. Etwas mühsam – und durch die aktuelle Iran-Thematik auch nicht gerade günstig. Gut, dass wir hauptsächlich segeln.

Da wir beim Absaugen keine Auffälligkeiten festgestellt haben, haben wir uns gegen eine Öffnung des Tanks entschieden. Eine Revisionsöffnung gibt es bei uns ohnehin nicht – und was dicht ist, bleibt besser zu.

Zusätzlich haben wir einen 20-Liter-Kanister vorbereitet, den wir im Notfall direkt an den Motor anschließen können. Wie wir das allerdings bei ordentlich Seegang umsetzen würden, darüber denken wir lieber nicht zu lange nach.

Zur Vorsorge setzen wir außerdem ein Biozid (Grotamar 82) sowie das Liqui Moly Marine Super Dieseladditiv ein.

Murphy’s Law – Und dann wäre da noch Murphy.

Wenn ich Diesel einfülle, wickele ich den Tankdeckel wegen der Additive immer in Zewa ein, damit die Sauerei im Rahmen bleibt. Dieses Mal musste das Verpackungsmaterial einer frischen Amazon-Lieferung herhalten.

Während ich also am Einfüllen war, bringt Micha schon mal den Müll weg und holt die wohlverdiente Pizza.

Ihr ahnt vermutlich schon, wo der Dieseltank-Deckel zwischenzeitlich gelandet ist …

2 Kommentare
  1. Micha
    Micha sagte:

    Haha… Das haben wir als Team erledigt. Ich kopfüber im Container und während Tobi mich an den Sprunggelenken gehalten hat. Ähnlich wie Roland damals in Chalkida in unserer Backskiste. 😂

    Nein, Spaß! Der Container war zum Glück so voll, dass das gute Stück ganz oben drauf lag. 😅

    Antworten

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