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Arrivederci Sizilien | Trapani nach Villasimius

30. April 2026

Nach nur einer Nacht Pause beschließen wir, den Sprung nach Sardinien zu wagen. Besser wird das Wetterfenster wohl nicht werden und in Trapani dürfen wir offiziell nur 48 Stunden bleiben. Tobi macht vormittags noch ein paar Termine, während ich das Essen für die Überfahrt vorbereite und alles seeklar mache. Bevor es losgeht, checken wir nochmal das Großsegel, da wir das dieses Jahr noch nicht gesetzt haben. Dann heißt es: Anker auf!

Am frühen Nachmittag verlassen wir Trapani mit Ziel Villasimius auf Sardinien. Nach zwei Stunden schönem Segeln am Wind kommt über Funk eine Navigationswarnung rein. Ein treibender schwarzer Plastiktank mit einem Durchmesser von 10m wird direkt auf unserer Kurslinie gemeldet. Zum Glück im Moment noch 60 Seemeilen voraus. Wir tragen die gemeldete Position in die Seekarte ein und beschließen, auf jeden Fall in Luv daran vorbeizufahren, denn wahrscheinlich wird der Container von Wind und Welle nach Lee getrieben.

Wenn ich so etwas höre, frage ich mich, wie oft wir wohl schon Glück gehabt haben und einfach nur ein paar Meter an einem Stück Treibgut vorbeigefahren sind, das uns bei einer Kollision ein Loch in den Rumpf gerissen hätte?

Dazu passt dann auch, dass kurz nach Sonnenuntergang unsere Bilgenpumpe anspringt. Prima!

Wir räumen also alles, was so im Salon am Boden steht, weg, um unseren Teppich anzuheben und die Bodenplatte, unter der die Bilgenpumpe sitzt, öffnen zu können. Ja, Wasser. Ich tippe meinen Zeigefinger ein und probiere. Kein Salzwasser. Erleichterung!

Wir identifizieren zwei mögliche Ursachen:

  1. Einer unserer Wassertanks ist nach der Reinigung nicht mehr ganz dicht.
  2. Durch die Welle läuft gerade Wasser, das sich durch Regen und Deckwaschen irgendwo im Boot gesammelt hat, in der Bilge zusammen.

Wie auch immer – beides kein unmittelbarer Grund zur Beunruhigung.

Der Rest der Nacht plätschert so dahin. Es ist Vollmond und das Meer um uns herum ist in Silber getaucht. Ab und an tauchen am Horizont Lichter von anderen Schiffen auf. Mit im Schnitt knapp 5kt kommen wir gut voran, einzig die Welle rollt etwas seltsam von der Seite.

Wir wechseln uns mit Wachegehen ab. Dabei haben wir keinen festen Rhythmus. Jeder schläft solange er kann bzw. bis der andere abgelöst werden will. Für mich ist Schlafen unterwegs mittlerweile kein Problem mehr und dank meiner täglichen Power-Nap-Routine kann ich quasi auf Knopfdruck einschlafen.

Anders sieht es da bei Tobi aus. Er schläft unterwegs schlecht bzw. gar nicht, weshalb längere Passagen für ihn immer besonders anstrengend sind.

Ab Sonnenaufgang wird der Wind stetig weniger, die Welle aber deutlich höher. Wir holen uns nochmal Wetter über unser Garmin inReach, das wir seit Neuestem an Bord haben. Es passt mehr oder weniger mit der Vorhersage von Windy überein. Im letzten Drittel, kurz vor Sardinien, sollen Wind und Welle nochmal deutlich zunehmen. In Böen bis 28kt und bis zu 1,5m Welle. So „angenehm“ wird es dann leider nicht.

Ab Mittag rollen Wellen von bis zu 3 Metern zuerst aus Nordwest, dann aus Nordost an und plötzlich ist der Wind weg. Wir bergen die Segel und schmeißen den Motor an. Sollten wir tatsächlich Dieselpest im Tank haben, wäre jetzt der Zeitpunkt, an dem es sich zeigen würde, aber der Motor schnurrt wie ein Kätzchen. Erleichterung!

Eine Stunde motoren wir gegen diese massiven Wellenberge an, bevor der Wind wieder etwas auffrischt und wir die Segel setzen können.

Unser Autopilot hat bereits bei der Motorfahrt den Dienst verweigert. Wellen mag er einfach nicht so. Und so steht Tobi am Steuer und versucht, die Wellen so gut es geht auszusteuern. Immer wieder klatschen große Wellen an die Steuerbord-Seite von Eleanor und schicken ab und an einen Schwall kaltes Seewasser durchs Cockpit. Ein besonders großes Exemplar flutet das Cockpit und sucht sich seinen Weg den Niedergang hinunter. Unser Teppich im Salon ist klitschnass und auch wir triefen.

Irgendwann nach dem Segelsetzen merke ich, dass mir nicht wohl ist. Es ist kalt, ich bin erschöpft und mein Hirn fühlt sich irgendwie vernebelt an.

Ich bin seekrank – und zwar richtig.

Ich nehme eine Reisetablette, die mich dann so richtig ausnockt. Wie ein Häufchen Elend hocke ich im Niedergang und döse immer wieder weg, während Tobi am Steuer die Stellung hält und uns Richtung Sardinien bringt.

Wir müssen noch einige Male die Segel wechseln bzw. reffen, da wir zeitweise über 32kt Wind haben. Auch unser Bimini wird schwer in Mitleidenschaft gezogen, als eines der beiden Bänder mit denen es nach vorne abgespannt ist reißt. Acht Stunden kämpfen wir uns durch diese Misere, Tobi die ganze Zeit am Steuer, regelmäßig geduscht von den überkommenden Wellen.

Die Erleichterung ist groß, als wir endlich in die Landabdeckung von Sardinien kommen und einige Zeit später der Anker in der Bucht Villasimius fällt. Er hält, zum Glück gleich aufs erste Mal.

Völlig geplättet sitzen wir im Cockpit und fragen uns, was das jetzt eigentlich war. Wir genehmigen uns eine warme Dusche und eine heiße Schokolade und fallen dann völlig erschöpft in unsere Koje.

Die nächsten Tage verbringen wir mit Aufklaren und Ausruhen, wir haben erstmal kein Bedürfnis weiterzusegeln.

2 Kommentare
  1. Rosalie
    Rosalie sagte:
    18. Mai 2026 um 19:04

    Hallo ihr beiden,

    Bild Nr. 18 mit dem schönen Meer gefällt mir am Besten. Wie habt ihr das Bild 1 von eurem Segelboot gemacht? Mit der Drohne?

    Viel Spaß beim Segeln

    Liebe Grüße Rosalie

    Antworten
    • Micha
      Micha sagte:
      19. Mai 2026 um 15:07

      Hallo Rosalie!

      Das freut uns sehr, dass du so fleißig unser Logbuch liest.

      Ja, die Bucht auf dem Bild war wirklich toll. Türkis blaues Wasser und ganz viele Fische.🐟 🐠

      Das erste Bild von unserem Boot haben andere Segler, die uns mit ihrem Boot überholt haben, gemacht und uns dann geschickt. Nett von denen, oder?! 👍

      Viele liebe Grüße und bis bald 🤗

      Tante Micha & Onkel Tobi

      Antworten

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