Arrivederci Italia – ¡Hola! España
4. Juni 2026
Der Wind für unsere Überfahrt auf die Balearen hat dann doch länger auf sich warten lassen als gedacht. Deshalb verlegen wir uns zum Verproviantieren nochmal an den Gemeindekai nach Carloforte. Wir besorgen uns eine weitere Marca da Bollo und statten damit der Guardia Costiera einen weiteren Besuch ab.
Die Marca da Bollo scheint das Schmiermittel zu sein, das die italienische Bürokratie am Laufen hält. Aus einem Stück Papier wird erst dann ein offizielles Dokument, wenn eine Marca da Bollo darauf klebt und anschließend jemand in Uniform seine Unterschrift daruntersetzt hat.
So verwandelt sich gewöhnliches Papier in ein amtliches Schriftstück. In unserem Fall in die Erlaubnis, am Gemeindekai anzulegen. Drei Tage, bis Sonntag, dürften wir bleiben, unser Plan ist aber bereits am Samstagvormittag aufzubrechen.
Im Moment sieht das Wetterfenster dafür sehr gut aus und unsere beiden Passage-Planning-Apps zeigen an, dass wir 100 % segeln können – wir glauben da noch nicht so richtig dran, denn das wäre fast zu schön, um wahr zu sein. Donnerstag und Freitag verbringen wir mit Vorbereitung: Wasser bunkern, einkaufen, Wäsche waschen, vorkochen, Grab Bag packen, Wetter beobachten, letzte Pizza, letztes Eis…
6. Juni 2026
Nach einem letzten gründlichen Wettercheck verlassen wir am Samstagmorgen um 08:15 Uhr Carloforte mit dem Ziel Mahón auf Menorca. Die erste Stunde bis zur Südspitze von San Pietro ist entspanntes Vorwindsegeln. Wir lassen ein letztes Mal die Küste dieser wirklich schönen Insel an uns vorbeiziehen und werfen einen kleinen wehmütigen Blick auf die Bucht, in der wir die eineinhalb Wochen vor unserem Aufenthalt in Carloforte verbracht haben. Wenig später luven wir an und wechseln von Genua auf Kutter + Großsegel im ersten Reff. Für die ersten sechs bis acht Stunden sind noch relativ viel Wind und Welle vorhergesagt.
Wir gehen auf Kurs und schon bald liegt Italien hinter uns und vor uns die See – und die hat es wieder mal in sich. Es dauert nicht lange und dann liege ich, niedergestreckt zuerst von der Seekrankheit und dann von den Medikamenten dagegen, im Cockpit. In einem Zustand, der sich wohl am besten als Delirium beschreiben lässt. Fünf Stunden brauche ich, um wieder einigermaßen auf Spur zu kommen. Keine Ahnung, was dieses Jahr los ist. Zum Glück hält Tobi, während meiner Schwächephase, tapfer durch und steuert uns sicher durch die Wellen.
Es ist mittlerweile Nachmittag und als späten Mittagssnack verdrücken wir unseren letzten Rest Pizza und lassen unsere Zeit hier in Bella Italia nochmal ein wenig Revue passieren. Schön war’s!
Der Abend plätschert wie die Wellen dahin. Wind und Seegang werden immer weniger und Eleanor schiebt sich mit 5–6 kn Richtung Sonnenuntergang. Tobi übernimmt die erste Wache bis kurz nach Mitternacht, dann löse ich ihn ab. Es wird eine ruhige Fahrt, so ruhig, dass sogar Tobi schlafen kann. Ich genieße zunächst den Wahnsinns-Sternenhimmel, bevor direkt achteraus gegen 1:30 Uhr langsam den Mond aufgeht und das Meer zu funkeln bringt.
Eine halbe Stunde später passieren wir die Seegrenze zu Spanien und haben damit auch mehr als die Hälfte unseres Weges hinter uns. Den Rest der Nacht verbringe ich wachend im Cockpit, heißt: 20 Minuten dösen, Rundumblick, Wind, Kurs und AIS checken und wieder rein in den Schlafsack für die nächsten 20 Minuten. Einmal pro Stunde notiere ich ein paar Dinge wie Position und zurückgelegte Strecke im Logbuch.
Als Tobi gegen 4:00 Uhr aus der Koje gekrochen kommt, um mich abzulösen, schicke ich ihn wieder zurück. Ich habe mich irgendwie eingegroovt und wenn er schon mal schlafen kann, soll er das machen. Gegen 5:30 Uhr sitzen wir beide im Cockpit und warten auf den Sonnenaufgang (herrlich!). Anschließend geht’s für mich ins Bett.
Auch der Vormittag verläuft unaufgeregt. Tobi sichtet ein paar Boote und beschäftigt sich intensiv mit unserer neuen Wetter-App. Ansonsten verbringen wir die Zeit mit Lesen und Schlafen.
Der Wind lässt immer weiter nach und so starten wir gegen 13:00 Uhr den Motor. 100 % Segeln – es wäre auch zu schön gewesen. 😉
Wir nutzen die Zeit und werkeln ein wenig am Boot und räumen auf. Dann heißt es wieder: Lesen, Schlafen, Essen, Wiederholen. Nur dass jetzt als Hintergrundmusik das sanfte Brummen unseres Yanmar läuft.
Vier Stunden später können wir die ersten Umrisse von Menorca im Dunst am Horizont erkennen. Endspurt. Nach weiteren vier Stunden fällt der Anker in der Bucht vor Teulera.
Die Ansteuerung war beeindruckend. Mahón, einer der größten Naturhäfen des Mittelmeers, ist von einer gigantischen Wehranlage umgeben, direkt dahinter liegt unser Ankerplatz – gut geschützt!





































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