Technical Tuesday – Wetter auf See
18. Juni 2026
Für unsere Überfahrt nach Menorca haben wir uns nochmal intensiv mit dem Thema Wetter beschäftigt. Für uns ist es nicht nur wichtig zu wissen, wie das Wetter wird, sondern auch, wie wir auf See ohne Internetverbindung an aktuelle Wetterdaten kommen. Bisher haben wir uns immer auf den Wetterbericht von Windy gestützt, der uns bei unserer Abreise vorlag, und das musste dann halt reichen. Immer in der Hoffnung, dass sich das Wetter nicht signifikant ändern würde.
Satellitenkommunikation – Garmin inReach Mini 2
Mit dem Einzug des Garmin inReach Mini 2 bei uns an Bord hat sich das etwas geändert. Dieses kleine Gerät ermöglicht uns, von unterwegs über Satellit E-Mails und Nachrichten zu senden und zu empfangen und außerdem Wetter abzurufen.
Bei unserer Überfahrt von Sizilien nach Sardinien haben wir bereits die von Garmin integrierte Wetterfunktion verwendet, was uns aber leider nicht so ganz überzeugt hat. Man bekommt zwar eine grobe Idee, wie die Verhältnisse sein könnten, aber um darauf basierend fundierte Entscheidungen zu treffen, sind die Informationen fast ein bisschen zu wenig.
Wetter-App – LuckGRIB
Für die Passage auf die Balearen haben wir deshalb gleich zwei neue Dinge ausprobiert. Zum einen LuckGRIB, eine Wetter-App, die es ermöglicht, GRIB-Daten auch offline anzuschauen. Das geht nämlich mit Windy nicht bzw. nur sehr bedingt. Unser bisheriger Workaround dafür waren Screenshots von der Windy-Vorhersage.
GRIB-Daten (GRIdded Binary) sind Wetterdaten auf einem Raster (Grid) für ein bestimmtes Gebiet und einen bestimmten Zeitraum. LuckGRIB speichert diese heruntergeladenen GRIB-Dateien dauerhaft auf dem Gerät und so ist es möglich, auch offline in den Wetterdaten zu navigieren. Zudem hat LuckGRIB eine Passage-Planning-Funktion, die ebenfalls offline genutzt werden kann.
Wetterdaten ohne Internetverbindung abrufen – reChain Grib
Um unterwegs auch aktuelles Wetter abrufen zu können, haben wir die App reChain Grib genutzt. Diese ermöglicht es, vereinfacht gesagt, vom inReach aus über Satellit eine E-Mail an einen Server zu schicken. Als Antwort erhält man mehrere Textnachrichten, aus denen reChain dann eine GRIB-Datei decodieren kann.
Diese GRIB-Datei können wir wiederum in LuckGRIB laden und schon haben wir eine aktuelle Wettervorhersage, ganz ohne Internetverbindung.
Praktische Umsetzung und Fallstricke
Für uns haben sich die beiden Wettermodelle GFS und ECMWF in Kombination als brauchbar erwiesen. GFS für den groben Überblick und ECMWF eher für die Detailplanung.
Für die grobe Auswahl eines passenden Wetterfensters und solange wir noch Internet haben, nutzten wir die Premiumversion von Windy. Sobald wir unseren Abfahrtstag (± 2 Tage) absehen können, fangen wir schon mal an, in LuckGRIB unterschiedliche Modellläufe zu vergleichen, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie stabil das Wetter ist.
Sowohl Windy als auch LuckGRIB haben eine Passage-Planning-Funktion, die auch die Polardaten des Schiffes und persönliche Präferenzen abbilden kann. Wir haben beide Apps dafür genutzt und beide haben auch in etwa dieselbe Strecke ausgegeben.
Am Abfahrtstag checken wir dann noch einmal online das Wetter und laden uns die aktuellen GRIB-Daten von beiden Wettermodellen (GFS und ECMWF) in hoher Auflösung herunter.
Unterwegs nutzen wir dann die Kombination aus Garmin inReach Mini 2, reChain Grib und LuckGRIB, was sehr gut funktioniert hat. Einzige Stolperfalle ist der Aktualisierungszeitpunkt der Wetterdaten. Denn wann die Modelle berechnet werden, hat nicht zwangsläufig etwas damit zu tun, wann diese auf den Servern zum Abruf verfügbar sind. Auch sind die Aktualisierungsintervalle von Modell zu Modell unterschiedlich. Hier macht es also Sinn, schon vor der Abreise zu definieren, wann Daten sinnvollerweise abgefragt werden.
Fazit
Für uns hat sich das Trio Garmin inReach Mini 2, LuckGRIB und reChain Grib im ersten Test als praktikable Lösung für den Abruf von Wetterdaten auf See erwiesen und bei kluger Auswahl des inReach-Tarifs halten sich auch die Kosten für den Abruf im Rahmen. Ob das unser finales Setup für Offshore-Wetter ist, wird sich aber erst in der weiteren Praxis zeigen.













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