Sommer, Sonne, Schwell | Von Ibiza über Formentera nach Valencia
3. August 2026
Und auch diesen Sommer bekommen wir wieder Besuch von unserem treuesten Crew-Mitglied: Moritz.
Er ist mittlerweile 12 Jahre alt und nun zum ersten Mal unbegleitet geflogen. Natürlich hat er das volle Programm mit Flugverspätung und Gatewechsel am Münchner Flughafen abbekommen. Aber – er hat alles super gemanagt! Tobi holt ihn per Linienbus vom Flughafen ab und als Willkommensessen holen wir uns einen Döner.
Auch Tobi und ich werden die nächsten zwei Wochen ein bisschen Urlaub machen und freuen uns schon darauf, gemeinsam mit Moritz den Süden von Ibiza und die Insel Formentera zu erkunden.
Unser erster Stopp ist die Cala Comte. Diese liegt nur etwa 8 sm südwestlich von Sant Antoni.
Da der Wind, als wir ablegen, bereits etwas aufgefrischt hat, beschließen wir zu kreuzen. Nach zwei Stunden fällt der Anker, wir gehen baden, schnorcheln und chillen an Bord.
4. August 2026
Wir wollen weiter nach Süden. Leider lässt der Wind uns heute im Stich und wir motoren bis zur Cala d’Hort. Einer schönen Bucht mit tollem Ausblick auf die 300 m hohen, vorgelagerten Inseln Es Vedrà und Vedranell und freier Sicht auf den Horizont im Westen, wo wir einen tollen Sonnenuntergang zu sehen bekommen.
Auf dem Weg hierher macht Moritz seine ersten 1000 sm voll – und das mit gerade mal 12 Jahren. Das muss natürlich gefeiert werden! Es gibt Sekt (alkoholfrei), der erste Schluck geht an Poseidon mit der Bitte, dem jungen Matrosen weiterhin wohlgesonnen zu sein. Den Rest der Flasche lassen wir uns schmecken.
Leider wird die Nacht in Cala d’Hort alles andere als erholsam. Als nach Sonnenuntergang der Wind nachlässt, stehen wir quer zur Welle und Eleanor schwankt wie ein betrunkener Elefant hin und her.
5. August 2026
Nach einer durchschwankten Nacht sind wir alle ein wenig gerädert und die Stimmung an Bord ist jetzt nicht gerade an ihrem Hochpunkt. Wir beschließen, so schnell wie möglich loszukommen, und nehmen nur ein schnelles Frühstück ein, währenddessen wir uns am Cockpittisch festklammern müssen.
Langsam geht mir dieses Revier mit seinen thermischen Winden und dem ständigen Schwell echt auf die Nerven.
Wir motoren die komplette Südwestküste Ibizas entlang, auf der Suche nach einem geschützten Ankerplatz, und enden dann doch in Formentera.
Wir liegen im Norden am langen, schmalen Sandstrand Platja de ses Illetes, gemeinsam mit gefühlt 1000 anderen. Hier schwankt es jetzt halt von der Welle der vielen vorbeifahrenden Boote und Fähren.
Aber gut, das Wasser ist schön und am Abend wird es ruhig.
7. August 2026
Nach zwei Tagen, durchgeschüttelt vom Schwell, verlassen wir Platja de ses Illetes, um in den Osten von Formentera zu kommen. Unser erster Stopp ist am Pass de s’Espalmador, wo der Sandstrand von Formentera beinahe bis zur vorgelagerten Insel s’Espalmador übergeht.
Wir gehen eine Runde schwimmen und fahren dann die Ostküste Formenteras entlang bis nach Es Pujols, einem der wichtigsten Tourismusorte auf Formentera.
Hier verbringen wir eine ruhige Nacht – endlich mal wieder. Am nächsten Morgen erkunden wir 1,5 Stunden lang die Unterwasserwelt der Bucht. Angeblich lebt hier auch ein Rochen. Den haben wir zwar leider nicht gesehen, aber dafür unzählige verschiedene Fische.
8. August 2026
Wir müssen uns langsam in Position für unsere Überfahrt nach Valencia bringen, deshalb segeln wir zurück Richtung Norden. Ein schöner Raumwindkurs bringt uns an die Südwestküste von Ibiza.
Hier legen wir in der Cala Jondal mit zahlreichen weiteren Motoryachten und Segelbooten. Ja, es ist Hochsaison!
Über die Cala Tarida geht es in den nächsten Tagen zurück nach Sant Antoni.
Aber zuerst bekommen wir am Abend ein heftiges Gewitter ab. Wir sitzen gerade beim Abendessen, als Tobi irgendwann meint, wir sollten zumindest mal das Dinghy hoch verstauen. Keine fünf Minuten später regnet es in dicken Tropfen und Blitze zucken über den Himmel.
Der Wind nimmt ordentlich zu, und wieder einmal liegen wir mit dem Rücken zur Felswand.
Wir debattieren, ob wir die Bucht verlassen sollen, entscheiden uns dann aber dagegen. Wir haben den Anker gut eingefahren und genug Kette draußen. Nach etwa eineinhalb Stunden ist der Spuk vorbei. Was bleibt, ist eine äußerst unangenehme Welle, die in die Bucht läuft, und ein leichter, ständig drehender Wind, der Eleanor immer wieder quer zur Welle legt.
Es wird wieder eine schaukelige Nacht.
11. August 2026
Bevor es für uns nach Valencia geht, legen wir noch einen kurzen Verpflegungsstopp in Sant Antoni ein. Wir gehen einkaufen und gönnen uns am Abend leckeres Essen und einen Cheesecake.
Bei einem Spaziergang an der Promenade entlang beobachten wir noch ein wenig die „crazy people“, wie Moritz die doch recht extravagant-freizügig gekleideten Damen nennt, die hier auf Ibiza die Straßen zu ihren Laufstegen machen.
12. August 2026
Es geht los – Valencia, wir kommen!
Um kurz nach 08:00 Uhr gehen wir Anker auf. Die ersten zwei Stunden unter Motor nutzen wir, um zu frühstücken. Danach setzen wir die Segel.
Der Wind für die Genua ist fast ein bisschen zu wenig und so setzen wir zum ersten Mal unseren Gennaker. Es funktioniert gut. Das schöne blau-gelbe Segel sieht nicht nur toll aus, sondern bringt auch bei wenig Wind richtig Speed. Mit 4,5–5 kn gleiten wir bei gerade mal 7–8 kn Wind wie auf Schienen durchs Wasser. Toll!
Leider dreht der Wind ein bisschen zu stark nach Norden und wir müssen zurück auf die Genua wechseln. Bis in den Abend hinein segeln wir auf Halbwindkurs Richtung spanisches Festland.
Unterwegs bekommen wir Besuch von ein paar Delfinen und eine große Schildkröte treibt gemütlich an unserer BB-Seite vorbei.
Nach dem Abendessen bergen wir die Genua und starten den Motor. Der Wind ist eingeschlafen und wir müssen unsere Solar-Eclipse-Party auf dem Vordeck vorbereiten.
Ja, wir haben unsere Überfahrt gut getimt und haben freien Blick auf den Horizont. Mit Getränken, Schokolade und Brillen bewaffnet pflanzen wir uns aufs Vordeck.
Kurz bevor sich der Mond vor die Sonne schiebt, feiern wir noch Moritz’ 1000ste Seemeile auf der Eleanor und widmen uns dann dem Himmelsspektakel.
Wow!
4,5 Stunden später erreichen wir Valencia. Wir haben auf unserem Weg hierher auch den Nullmeridian gekreuzt und befinden uns somit auf der westlichen Hemisphäre.
Damit gehen zwei ereignisreiche und schöne Wochen zu Ende. Wir verbringen noch zwei Tage in Valencia im Hafen und machen Eleanor klar für drei Wochen Pause, denn wir fliegen gemeinsam mit Moritz für einen kleinen Heimaturlaub nach Deutschland.
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Vielen, vielen Dank, dass ich auch dieses Jahr wieder auf die Eleanor kommen durfte. Danke für die vielen gemeinsamen Erlebnisse und dafür, dass ich rund 1000 Seemeilen auf eurem Boot mitsegeln durfte.
HG Moritz
Klaro, immer wieder gerne… Wir freuen uns jedesmal dich an Bord zu haben! 💙